Modul Haushaltnahe Dienstleistungen im Quartier

Zielsetzung

Durch den Aufbau von haushaltsnahen Dienstleistungen im Quartier soll ein selbstständiges Leben in den eigenen Vier Wänden ermöglicht werden. Ziel ist es tragfähige Konzepte für die haushaltsnahe Versorgung in Quartieren aufzubauen.

Einschätzungen zu diesem Modul von Nutzerinnen und Nutzer

Prozessphase:

eignet sich zur konkreten Umsetzung

Zeitaufwand:

bedarf längerer
Vorbereitung

Personalaufwand:

ist sehr
personalintensiv

Finanzieller Aufwand:

ist sehr
kostenintensiv

Partizipation:

hat einen hohen Beteiligungsgrad

Komplexität:

bedarf professioneller Unterstützung

Dieses Modul wurde bisher von 2 Nutzern bewertet.

Anwenderinnen und Anwender

Zielgruppe

Handlungsfelder

Umsetzung und Durchführung

Wenn haushaltsnahe Dienstleistungen für das Quartier entwickelt werden, dann sollte der Prozess wie eine Geschäftsfelderweiterung oder/und Existenzgründungen angegangen werden. Damit das systematisch und erfolgreich sein kann, sollte man sich entlang erprobter und empfohlener Checklisten oder Leitfäden bewegen, die einen durch einen solchen Prozess begleiten. Ausgangspunkt ist stets eine Bedarfs- und Wettbewerbseinschätzung. Dabei ist frühzeitig zu überlegen, ob das Vorhaben unter größtmöglicher Beteiligung von Freiwilligen und engagierten Menschen aus dem Quartier oder aber als Dienstleistungsunternehmen mit sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten durchgeführt werden soll. Leitfadengestütztes Vorgehen bedeutet, dass man sich einem Fragenkatalog stellt. Die Antworten auf die enthaltenen Fragen lassen schrittweise das Konzept entstehen. Ein solcher Fragenkatalog für Haushaltsnahe Dienstleistungen unterscheidet sich nicht sehr stark von anderen Checklisten zur Existenzgründung oder Geschäftsfeldentwicklung. Es geht um Bedarfs- und Markteinschätzungen, die Beschreibung der vorzuhaltenden Dienstleistungen, die dazu notwendigen Beschäftigten, das notwendige Startkapital und die Verpreisung der Leistungen sowie nicht zuletzt die Vermarktung des Konzeptes. Bei haushaltsnahen Dienstleistungen im Quartier geht es daneben auch um die mögliche Einbeziehung von nachbarschaftlichen oder familiären Netzwerken. Es geht auch um die Abgrenzung oder Einbeziehung von Finanzierungsmöglichkeiten von Seiten der Kostenträger (SGB XI und SGB XII).
Bei haushaltsnahen Dienstleistungen könne Initiatorinnen und Initiatoren teilweise auf vorhandene Angebote und Netzwerke zurückgreifen. Daher empfiehlt sich bei der Analyse der Bedarfe und Markteinschätzung auch die Recherche nach möglichen Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern. Haushaltsnahe Dienstleistungen können auch kooperativ von einem Netzwerk erbracht werden. Die Abstimmung und die notwendigen Vereinbarungen zur Steuerung eines solchen Netzwerkes machen aber ebenfalls einen Prozess wie bei einer Existenzgründung oder Geschäftsfeldentwicklung notwendig.

Wichtige Umsetzungsschritte / Aufwandsabschätzung

Der Leitfaden kann sowohl von einzelnen Personen oder Initiativen oder Unternehmen angewandt werden als auch von Netzwerken und Verbünden verwendet werden, um die Gründung eines Haushaltsnahen Dienstes zu unterstützen. Grundsätzlich lässt sich das Vorgehen in drei Arbeitsphasen unterteilen:

  1. Arbeitsphase: Von der Idee zum Konzept – Konzeptentwicklung und erste Markteinschätzungen
  2. Arbeitsphase: Vom Konzept zur Kundin oder zum Kunden – Erstellung
    von Kundenprofilen, Leistungsbeschreibungen, Mitarbeiterinnen- und Mitarbeiterprofilen, Umsatz- und Erlösquellen, Kalkulation
  3. Arbeitsphase: Von der Kundin oder dem Kunden zum Unternehmen –
    Erstellung von Business-Plänen, Kundengewinnung, Marketing- und Markteintrittsstrategien

Die Bearbeitung erfolgt entlang strukturierender Fragestellungen. U.a. Wie muss ein Angebot gestaltet werden, das alle wesentlichen Lebensbereiche des Alltags anspricht und für den Kunden “aus einem Guss” erscheint? Wie muss ein Netzwerk gestaltet, zusammengehalten und finanziert sein, dass es auf Dauer verlässliche Dienstleistungen für die Kundinnen und Kunden garantieren kann? Wie lässt sich die Zusammenarbeit gemeinnütziger und gewerblicher Anbieterinnen und Anbieter in einem solchen Netzwerk organisieren? Wie erfolgt die Einpassung solcher Angebote in die vorhandenen Strukturen der häuslichen (Alten-)Pflege? Wie lassen sich Helferinnen und Helfer finden, die definierten Qualitätskriterien entsprechen und die für einen längeren Zeitraum verlässlich zur Verfügung stehen? Wie muss die Basisqualifizierung solcher Kräfte gestaltet werden und wie kann sie in einem zeitnahen, regelmäßig wiederkehrenden Verfahren erfolgen, sodass neue Helferinnen und Helfer jeweils vor Beginn ihrer Tätigkeit geschult werden? Mit welchem Verfahren lassen sich der Einsatz, die bedarfsorientierte Anleitung und die Qualitätssicherung solcher Kräfte organisieren, ohne dass dies preisseitig die Kosten unzulässig in die Höhe treibt? Wie sieht die Kostenkalkulation eines solchen Angebotes aus; wann ist Kostendeckung zu erreichen und ab wann lassen sich Deckungskostenbeiträge bzw. Gewinne erwirtschaften? Mit welcher Strategie sollte solch ein Angebot beworben und am regionalen Markt platziert werden? Lassen sich mit einem solchen Angebot Arbeitsmarkteffekte gerade für gering qualifizierte und behinderte Menschen erzielen? Wenn ja: Wie können etwa in Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand (z.B. ARGE) Synergieeffekte erreicht werden?

Der Aufwand ist hoch, weil nur ein verlässliches und bedarfsgerechtes Angebot auf Dauer erfolgreich sein kann. Das braucht gute Vorbereitung und eine gezielt geplante Umsetzung.

Stolpersteine

Wie bei jeder Existenzgründung gibt es zahlreiche Stolpersteine. Hier nur die wichtigsten:


Bewertung

Haushaltsnahe Dienstleistungen im Quartier aufzubauen und zu etablieren ist ein zeitintensiver Prozess. Der Leitfaden lenkt und systematisiert die Gründung eines haushaltsnahen Dienstes. Er hilft alle wesentlichen Aspekte bei der Entwicklung eines solchen Dienstleistungsangbotes zu berücksichtigen. Durch die Beantwortung der Fragen entsteht schrittweise ein Konzept. Der Leitfaden führt die Anwenderinnen und Anwender auch an Entscheidungspunkte. Solche Entscheidungspunkte sind hilfreich, weil es auch gute Gründe gegen die Gründung eines solchen Haushaltsnahen Dienstes geben kann.

Fallbeispiele

Engelbertusmobil Mülheim an der Ruhr

Kontakte / AnsprechpartnerInnen

keine Angaben

Finanzierungsansätze

Die Kosten für eine solche Gründung lassen sich durch Netzwerkpartnerinnen und Netzwerktpartner aufteilen. Investition in eine solche Gründung lassen sich z.B. durch Mikrokredite finanzieren. Banken lassen sich eher nicht zur Finanzierung bewegen. Für begleitende Beratung lassen sich Existenzgründer-Förderung oder – bei bestehenden Unternehmen – Potenzialberatungsmittel akquirieren.

Beratung

keine Angaben

Nutzerinnen- und Nutzerkommentare

In vielen Regionen gibt es bereits zahlreiche professionelle Dienstleister - von denen viele eine starke Nachfrage haben. Außerdem blüht der Schwarzmarkt. In diesem Spannungsfeld müssen neue Angebote ihre Nische finden. Hilfreich wäre eine Vernetzung verschiedener Dienstleister auf lokaler Ebene wie beispielsweise in Gelsenkirchen und Mülheim a.d.R.. Eine besondere Herausforderung bedeuten hauswirtschaftliche Hilfen durch Ehrenamt oder gegenseitige Hilfe (z.B. Seniorengenossenschaften). Hier besteht die Chance auf einen hohen Beteiligungsgrad, allerdings sind unbedingt verlässliche (professionelle) Strukturen nötig, die kontinuierlich das bürgerschaftliche Engagement unterstützen und Ansprechpartner für "Anbieter" und "Nutzer" sind.

Projekte

Glückauf Siedlungsgemeinschaft, Lünen

Zuhause alt werden, Bochum

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Göpfert-Divivier, Werner; Schulz, Jürgen (2009):
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Downloads

Leitfaden zum Aufbau haushaltsnaher Dienstleistungen