Modul Strukturierte Sozialraumtagebücher

Zielsetzung

Strukturierte Sozialraumtagebücher werden als Tagebücher über eine bestimmte Zeit von Quartiersbewohnerinnen und -bewohnern geführt. „Strukturiert“ sind sie, da festgelegt ist, wann welche Angaben zur alltäglichen Lebensführung der Bewohnerinnen und Bewohner eingetragen werden müssen. Ziel dieser Methode ist die Aufzeichnung und Analyse der individuellen, privaten, alltäglichen Nutzungsräume von älteren Quartiersbewohnerinnen und -bewohnern um so erweiterte und detaillierte Informationen über die alltäglich frequentierten Orte des Quartiers zu erhalten. Diese Informationen können zur Sensibilisierung für die „Stolpersteine“ des Alltags älterer Menschen im Quartier genutzt werden. Ebenso ist eine Anpassung der Angebote für diese Zielgruppe z.B. von Vereinen leichter möglich.

Einschätzungen zu diesem Modul von Nutzerinnen und Nutzer

Prozessphase:

eignet sich zur konkreten Umsetzung

Zeitaufwand:

bedarf längerer
Vorbereitung

Personalaufwand:

ist sehr
personalintensiv

Finanzieller Aufwand:

ist sehr
kostenintensiv

Partizipation:

hat einen hohen Beteiligungsgrad

Komplexität:

bedarf professioneller Unterstützung

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Anwenderinnen und Anwender

Zielgruppe

Handlungsfelder

Umsetzung und Durchführung

Die Methode der Sozialraumtagebücher wird meist innerhalb eines Forschungsvorhabens angewandt und von Forscherteams entsprechend begleitet.

Die Anzahl der auszugebenen Tagebücher ist nicht begrenzt. Aufgrund der nachfolgenden Auswertung, die unter Umständen aufwendig ist, ist eine Anzahl zwischen 10 und 20 Personen empfehlenswert. Das Sozialraumtagebuch kann ein einfaches DIN-A 5 der Din- A 4 Schulheft sein, dass die Anwender über einen Zeitraum von etwa 6 bis 8 Wochen führen, da der Zeitraum ausreichend lang sein muss, um Routinen des alltäglichen Lebens erkennen zu können. Die Angaben können je nach Forschungsvorhaben variieren, im Prinzip werden folgende Angaben erhoben:

Die Methode der strukturierten Sozialraumtagebücher ist trotz des individuellen Eintragens auch als Gruppenmethode zu verstehen. Es ist sehr empfehlenswert einen wöchentlichen moderierten Austausch mit den Anwenderinnen und Anwendern als Begleitung des Prozesses einzuführen, da diese dafür sensibilisiert werden müssen, alltägliche Lebensabläufe und Gewohnheiten nieder zu schreiben.

Nach Abschluss der Praxisphase folgt die analytische Auswertung der Tagebücher. Hierfür ist zunächst ein Abschluss in der Gruppe ratsam. In der Gruppe werden mit farbigen Nadeln auf einem Quartiersplan markiert, welche verschiedene Tätigkeiten, Organisationsformen und Beziehungsqualitäten sich abzeichnen (Nadelmethode). Danach werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Gruppe diskutiert und im Hinblick auf die sozialräumlichen Qualitäten der jeweiligen Orte sowie die dort anzutreffenden Angebote, Hindernisse, Vorteile und Bedürfnisse analysiert.

Später lassen sich mit Hilfe der digitalisierten Daten anhand von Clusteranalysen gemeinsame, mehr oder weniger frequentierte Nutzungs- und Kommunikationsräume ableiten und anonymisierte Bewegungsskizzen erstellen. Die Ergebnisse ergeben das „eigentliche Quartier“. Diese Informationen können für Kommunalverwaltung, Wohnungsunternehmen, lokale Akteure, wie z.B. die AWO, für die Strukturierung des Angebots für ältere Quartiersbewohnerinnen und bewohner von Nutzen sein.

Wichtige Umsetzungsschritte / Aufwandsabschätzung

Stolpersteine

Die angelegten Forschungsprojekte müssen entsprechend finanziert werden. Dazu können Drittmittel, aber auch die Unterstützung von späteren Informationsnutzern, z.B. dem kommunalen Wohnungsunternehmen, angeworben werden.

Die Auswahl der geeigneten Bewohnerinnen und Bewohner ist zu Beginn von großer Bedeutung. Sie müssen dafür sensibilisiert werden, welche Daten verlangt sind. Die Anwenderinnen und Anwender müssen im Vorfeld umfassend informiert werden, um mögliche Ängste, z.B. vor Datenmissbrauch, auszuräumen.

Da es sich um eine Methode der qualitativen Sozialraumforschung handelt, ist der Arbeitsaufwand sowohl für die Anwenderinnen und Anwender als auch für die Forscherinnen und Forscher entsprechend hoch. Vor Beginn eines Projekts sollte daher eine stringente Zeit- und Aufwandsplanung erfolgen.

Bewertung

Gute Methode, um – auch in scheinbar schwierigen thematischen Ausgangslagen – zusammen mit Bewohnerinnen und Bewohnern die private, individuelle, soziale und infrastrukturelle Struktur des „eigentlichen Quartiers“ analytisch zu erfassen und sich mit bestehenden Problemen auseinander zu setzen.

Eignet sich auch für längerfristige Projekte und Projektentwicklungen.

Fallbeispiele

Fachhochschule Düsseldorf: Stadtteil-Profil Düsseldorf-Bilk

Kontakte / AnsprechpartnerInnen

Universitäten bzw. Fachhochschulen im Umkreis: Einzelautoren sowie Lehrstühle zur Quartiers- oder Sozialraumforschung.

Finanzierungsansätze

Beratung

Quartiers- oder Sozialraumforscherinnen und -forscher.

Nutzerinnen- und Nutzerkommentare

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Literatur

Alisch, Monika (2013):
Sozialraum- und Netzwerk-Tagebücher. In: sozialraum.de (5) Ausgabe 1/2013.

Alisch, Monika (2014):
Älter werden im Quartier. Soziale Nachhaltigkeit durch Selbstorganisation und Teilhabe. kassel university press, S. 50ff, Kassel

Deinet, U. / Krisch, R. (2009):
Stadtteilbegehung. In: sozialraum.de (1) Ausgabe 1/2009.

Mehnert, T. / Kremer-Preis, U. (2013):
Leben in der Gemeinschaft. Ist-Analysen im Quartier. Handreichung im Rahmen des Förderbausteins 3.1.1 „Projekte mit Ansatz zur Quartiersentwicklung“. Kuratorium Deutsche Altershilfe(Hg.)

Bleck, Christian / Knopp, Reinhold / van Rießen, Anne (2013):
Sozialräumliche Analyse- und Beteiligungsmethoden mit Älteren: Vorgehensweisen, Ergebnisperspektiven und Erfahrungen. In: Noack, Michael /Veil, Katja (Hrsg.): Aktiv Altern im Sozialraum. Grundlagen Positionen Anwendungen. Verlag sozial raum management, 279-316, Köln