Ältere Menschen mit Behinderung

Botschafter / Statement

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Elisabeth Veldhues (Landsbehindertenbeauftragte NRW)
Alle Menschen profitieren von Barrierefreiheit, so beispielsweise Familien mit Kindern und ältere Menschen. Auch bei eingeschränkter Mobilität im Alter, Krankheit oder langfristiger Behinderung ist es für jeden von uns wichtig, im gewohnten Umfeld weiterhin wohnen zu können. Für alle Menschen mit und ohne Behinderung ist das soziale Netz die Grundbedingung für ein gutes Leben, also das gewohnte Quartier mit Nachbarschaft, sozialen Diensten und der erforderlichen bekannten Infrastruktur. Wohnen im vertrauten Quartier sichert jedem von uns eine hohe Lebensqualität.

Einführung

Derzeit leben in Nordrhein-Westfalen rund 2,6 Mio. Menschen, die nach den Bestimmungen des SGB IX als Menschen mit Behinderungen anerkannt sind. Etwa 1,7 Mio. Menschen (9,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) haben eine Schwerbehinderung, also einen anerkannten Grad der Behinderung (GdB) von 50 Prozent und mehr. Ein Großteil möglicher Behinderungen entsteht erst im späteren Lebensalter, ein Grund dafür, dass drei Viertel der Menschen mit einer Schwerbehinderung (GdB mind. 50) 55 Jahre und älter sind. Von dem Personenkreis zu unterscheiden sind Menschen, die seit ihrer Geburt, Kindheit, Jugend oder dem jungen Erwachsenalter mit Beeinträchtigungen leben und Erfahrungen von Behinderung gemacht haben. Solche Behinderungen haben häufig starke Auswirkungen auf Ausbildungs- und Erwerbsmöglichkeiten, auf die Familiengründung und soziale Beziehungsnetze, die z.T. mit erheblichen Nachteilen im Alter verbunden sind. Menschen, die länger mit einer Beeinträchtigung leben, sind es gewohnt, mit Unterstützungen zu Recht zu kommen, wohingegen es eine neue Erfahrung ist für Menschen, die erst im Alter eine Einschränkung erfahren.

Der demographische Wandel vollzieht sich mit wachsender Dynamik. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung ist davon auszugehen, dass die Zahl und der Anteil älterer, behinderter Menschen in Zukunft weiter zunehmen wird. Es ist daher wichtig, die unterschiedlichen Bedürfnisse dieser Zielgruppe zu erkennen und passgenaue Maßnahmen zu entwickeln, die den Menschen mit Behinderung ein Leben bis ins hohe Alter ermöglichen. Jeder Mensch kann von Behinderung betroffen sein, d. h. im Laufe des Lebens unter Beeinträchtigungen leiden, die seine oder ihre Ausgrenzungsrisiken erhöhen können. Es lassen sich insgesamt folgende Beeinträchtigungen grob unterscheiden:

Menschen mit Behinderung sind daher in besonderer Weise auf Angehörige angewiesen, die sie unterstützen, pflegen und gegebenenfalls rechtlich betreuen. Für eine gelingende (altengerechte) Quartiersentwicklung ist es daher entscheidend, beide Personengruppen einzubinden und zu berücksichtigen. Diese jeweiligen Gruppen von Betroffenen sind zahlenmäßig nicht gleichmäßig besetzt, sehr unterschiedlich strukturiert und weisen verschiedene Kompetenzen auf. So sind Maßnahmen wie die Beseitigung physischer oder akustischer Barrieren oder das Anbieten von Mobilitätsdiensten geeignet, Menschen mit einer Mobilitäts- oder Hörbeeinträchtigung aktiv in die Quartiersentwicklung ein zu beziehen. Dagegen fällt es Menschen mit kognitiven Einschränkungen und ihren pflegenden Angehörigen oft schwerer, sich einzubringen. Menschen mit einer früh im Leben erworbenen kognitiven (Lernschwierigkeit) oder psychischen Beeinträchtigung werden meistens von Angeboten und Diensten der Behindertenhilfe oder der Sozial-psychiatrie unterstützt, häufig in separierenden Lebenswelten. Sie haben wenig Übung darin, in öffentlichen Sitzungen ihre Anliegen vorzubringen. Dies bedeutet eine Einschränkung der Teilhabechancen und der Möglichkeiten politischer Partizipation. Daher ist es erforderlich, Menschen mit einer lebenslangen Behinderung stärker in den Blick zu nehmen und mittels geeigneter und angepasster Methoden und Zugänge in die Quartiersentwicklung einzubeziehen.

Die UN-Behindertenrechtskonvention

Das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) ist im Jahr 2009 in Deutschland in Kraft getreten und verpflichtet die Vertragsstaaten, die Menschenrechte und Grundfreiheiten aller Menschen zu gewährleisten und zu fördern (Art.

Quartier

Die UN-Behindertenrechtskonvention bezieht sich auf alle Menschen mit Behinderungen, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrem Alter, ihrer sexuellen Identität, ihrer Herkunft, ihrem Lebensverlauf sowie auf alle Lebensbereiche und Lebenslagen. Sie hat ihren Ausgangspunkt in der jeweils individuellen Lebenssituation, die sie nicht aufteilt in Sparten und Segmente, sondern insgesamt, das heißt als nicht teilbar und inklusiv wahrnimmt (nrw-inklusiv 2012).

Erfahrungsberichte

Der Aktionsplan der Landesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und der Masterplan altengerechte Quartier.NRW weisen sowohl hinsichtlich ihrer Zielgruppen als auch hinsichtlich der Instrumente, Maßnahmen und Praxisbeispiele große Überschneidungen auf, die zeigen, dass eine strikte Abgrenzung nicht funktionieren kann, sondern auch hier dem Anspruch der Inklusion – ausgehend von den Bedürfnissen des Einzelnen – Rechnung getragen werden muss. Daher sollen hier Praxisbeispiele vorgestellt werden, die eine gelungene Umsetzung dieses Gedankens demonstrieren.

Weitere Beispiele finden sich sowohl auf der Projektlandkarte, als auch im Inklusionskataster NRW.

Praxisbeispiele

Stadtteilprojekt WIR ALLE – Gemeinsam leben in der Städteregion Aachen

Quartiersentwicklung in der Innenstadt, Frechen

Wir am Mattlerbusch – Quartiersmanagement in Duisburg

Haus- und Wohngemeinschaft Alt & Jung Rotingdorf, Werther

Anregungen für die Arbeit im Quartier

Für Menschen im Alter, ob mit oder ohne Behinderung, bildet das Quartier und Wohnumfeld einen wichtigen Bezugsrahmen für die alltägliche Lebensgestaltung. Insbesondere das Quartier ist dabei der Ort, an dem Partizipation und Teilhabe ermöglicht und sichergestellt werden kann und sollte.