Referenzprojekt

Die Taschengeldbörse Solingen (TABS)

Referenzprojekt Solingen

Im Rahmen des ESF-Bundesprogramms „Stärken vor Ort“ wurde in den Jahren 2009-2011 in Solingen die „Taschengeldbörse“ konzipiert, umgesetzt, weiterentwickelt und etabliert.

In Trägerschaft der AWO Arbeit & Qualifizierung gGmbH Solingen und in Kooperation mit dem Seniorenbeirat und dem Jugendstadtrat der Stadt Solingen entstand durch das Zusammenbringen von Jobbern und Jobanbieterinnen bzw. Jobanbietern ein unmittelbarer Dialog zwischen den Generationen, der zu zahlreichen positiven Nebeneffekten führte:

Allgemein:
  • Stärkung des nachbarschaftlichen Zusammenhaltes innerhalb eines Quartiers
Für Jugendliche:
  • Praktische Erprobung arbeitsspezifischer Strukturen
  • Förderung sozialer Kompetenzen
  • Interessenweckung für Ausbildungen im Alten- und Pflegebereich
Für Seniorinnen und Senioren:
  • Ermöglichung eines selbstbestimmten Lebens im gewohnten Umfeld
  • Verknüpfung einer sinnvollen Freizeitgestaltung mit Weitergabe von Lebenserfahrung
  • Kontakt zu jüngeren Menschen im Quartier
Rahmenbedingungen und Durchführung

Die Taschengeldbörse richtet sich an Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren. Jobanbieter sind Privatpersonen, die einfache, ungefährliche und unregelmäßige Arbeiten zu verrichten haben. Die tägliche Arbeitszeit soll 2 Stunden, die wöchentliche 10 Stunden nicht überschreiten. Sowohl Jugendliche als auch Jobanbieterin bzw. Jobanbieter müssen sich bei der Taschengeldbörse anmelden und registrieren lassen.

Das empfohlene Taschengeld beträgt mindestens 5,- Euro pro Stunde. Ein anderer Satz kann individuell zwischen Jobanbieterin/ Jobanbieter und Jugendlichem vereinbart werden.

Die Taschengeldbörse dient lediglich als Koordinationsstelle. Die rechtliche Beziehung besteht ausschließlich zwischen Jobanbieterin/ Jobanbieter und Jobber. Die Taschengeldbörse kann weder garantieren, dass es für angebotene Jobs Abnehmer gibt, noch dass jedem Jugendlichen ein Job vermittelt werden kann. Sie kann auch nicht dafür garantieren, dass individuelle Absprachen zwischen Anbieterin/ Anbieter und Jobber eingehalten werden oder dass Jobs zur Zufriedenheit aller erledigt werden. Schwierigkeiten dieser Art sind direkt zwischen Anbieterin/ Anbieter und Jugendlichem zu klären. Die Taschengeldbörse kann hier lediglich unterstützend arbeiten.

Die Koordinationsaufgaben der Taschengeldbörse übernimmt die AWO Arbeit & Qualifizierung gGmbH Solingen. In den Räumlichkeiten des Stadtteilbüros Nordstadt in Solingen finden die regelmäßigen Vorstellungsgespräche für Jugendliche statt. Die Bekanntgabe von Jobangeboten an die registrierten Jugendlichen erfolgt über die Facebook-Seite der Taschengeldbörse. Hat ein Jugendlicher Interesse die Tätigkeit zu übernehmen, können Jobanbieterin/Jobanbieter und Jobber zeitnah und unkompliziert zusammengebracht werden.

Im Anschluss an einen erfolgreich absolvierten Job haben sowohl die Jobanbieterinnen/ Jobanbieter als auch die jugendlichen Jobber die Möglichkeit, ihr jeweiliges Gegenüber zu bewerten. Die Bewertungen werden gesammelt, in den Datensatz der entsprechenden Person eingetragen und können somit bei einer nächsten Anfrage berücksichtigt werden. Zusätzlich erfolgt regelmäßig eine stichprobenartige Nachfrage seitens der Taschengeldbörse, um die Zufriedenheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer festzustellen. Hierbei wurde vermehrt die Erfahrung gemacht, dass die erstmalige Kontaktvermittlung durch die Taschengeldbörse nur der Anstoß zu einer langfristigen „Taschengeldbeziehung“ ist, die unabhängig von der formalen Plattform bilateral weitergeführt wird.

Zwischenbilanz und Wirkung

Seit ihrer Gründung vor über fünf Jahren ist die Taschengeldbörse in Solingen zu einem Selbstläufer geworden. Mittlerweile haben sich 600 Jugendliche als Jobsucher registriert und 500 Personen, darunter viele Seniorinnen und Senioren, haben sich als Jobanbieterinnen/ Jobanbieter angemeldet. Somit konnte die Koordinierungsstelle zahleiche Jobber und Jobanbieterinnen/ Jobanbieter zusammenbringen.

Der Erfolg der Taschengeldbörse spiegelt sich darüber hinaus in den Anfragen von Akteurinnen und Akteuren aus anderen Städten und Gemeinden wider. An mehrere Interessenten deutschlandweit gab die AWO Arbeit & Qualifizierung gGmbH Solingen bereits ihre Erfahrungen weiter.

Im Rahmen des Projektes „Servicebrücken Jugend-Alter“ soll nun allen Kreisen und kreisfreien Städten die Möglichkeit gegeben werden, das Konzept Taschengeldbörse vor Ort umzusetzen. Um von den jahrelangen Erfahrungen in Solingen zu profitieren, dient die Taschengeldbörse Solingen als Referenzprojekt.

Weitere Informationen

Homepage der Taschengeldbörse Solingen